„Halten Sie den Bach flall!“ (Sabine Urig)

Ja, da kann man schon mal durcheinander kommen, wenn es soviel zu lernen gibt:

Die vier Schauspielerinnen, mit denen Regisseurin Gerburg Jahnke seit Mitte Juni in Hamburg den „Heiße Zeiten“-Nachfolger „Höchste Zeit“ probt, haben in diesen Tagen ein amtliches Arbeitspensum zu absolvieren. Neben einer ausgewachsenen Komödie sind ausgefeilte Gesangsarrangements (Jan Christof Scheibe) und maßgeschneiderte Choreografien (Susanne Hayo) zu stemmen. Da heißt es üben, üben, üben, sechsmal die Woche, bis zu neun Stunden pro Tag.

Dass in diese Zeit auch noch die höchsten Temperaturen des Jahres fallen, macht es Anna Bolk („Die Junge“), Ines Martinez („Die Vornehme“), Sabine Urig („Die Hausfrau) und Susanne Hayo („Die Karrierefrau“) nicht leichter. Da bekommt Susannes Kommentar während des Tanztrainings „Das mit dem Popo müssen wir nochmal trocken machen“ eine so ganz eigene Bedeutung…

Der musikalische Leiter Jan Christof Scheibe begleitet die täglichen Proben virtuos auf dem E-Piano, muss er doch in den ersten Probewochen eine ausgewachsene Band ersetzen, die erst später zu den Bühnenproben im Theater dazustoßen wird. Von Scheibe gibt es für die stimmgewaltige Cast immer noch den einen oder anderen sachdienlichen Hinweis, zum Beispiel „Leiser heißt nicht tiefer.“

Geduld ist seine Tugend, und so reagiert er auch mal auf weniger anspruchsvolle Aufgabenstellungen („Spiel’ stumpf durch.“) ebenso bereitwillig wie geduldig.

Für die originellen Liedtexte unserer Inszenierung zeichnet die Schauspielerin Anna Bolk verantwortlich. Auch nach 20-maligem Durchsingen wird’s mir nicht langweilig beim Zuhören. Oder ist Ihnen schon einmal ein Chanson begegnet, in dem Begriffe wie „Hochbeet“ und „Zugewinngemeinschaft“ vorkommen?

Wenn allerdings jemand dieses Stück notfalls auch rückwärts spielen könnte, ohne den Faden zu verlieren, so ist das unsere Regisseurin, Gerburg Jahnke. Ihr Orientierungsvermögen im Pointendschungel bewahrt das Ensemble treffsicher vor inszenatorischen Irrwegen, dem gefährlichen „Zuviel“, das für die Macher von Komödien so verführerisch sein kann. So gibt es eben auch den einen oder anderen stillen Moment im Stück, wo es plötzlich ganz persönlich und berührend wird.

Aber morgen wird erstmal wieder getanzt… oder wie Sabine sagen würde „Wann kommt’s Beinchen, Schatz?“

Britta Schmidtke
Regieassistenz